Schadstoffe beim Hauskauf: Die Baujahr-Checkliste vor der Unterschrift

Beim Hauskauf werden Heizung, Dach und Küche dreimal besichtigt — die unsichtbaren Altlasten aber entscheiden oft über fünfstellige Folgekosten. Die gute Nachricht: Schadstoffe folgen dem Baujahr. Wer weiss, wann gebaut und renoviert wurde, weiss auch, wonach zu suchen ist.
Die Baujahr-Checkliste
| Baujahr / Epoche | Typische Schadstoffe |
|---|---|
| vor ~1960 | Bleileitungen fürs Trinkwasser, bleihaltige Altanstriche |
| ~1950–1975 | PCB in Fugendichtungen und Anstrichen, Holzschutzmittel (PCP, Lindan) in Dachstühlen und Täfern |
| bis ~1990 | Asbest in Fassaden, Böden, Kitten, Klebern — der wichtigste Kandidat, siehe Asbest im Haus |
| ~1965–1990 | Formaldehyd aus Spanplatten und Verleimungen, künstliche Mineralfasern alter Dämmungen |
| jedes Baujahr | Radon je nach Standort und Abdichtung (Karte prüfen), Schimmel durch Feuchteschäden |
Wichtig: Auch ein Altbau kann saniert und sauber sein — und ein 80er-Jahre-Haus voller Überraschungen stecken. Die Tabelle sagt, wo du genauer hinschauen musst, nicht, was du sicher findest.
So gehst du vor
- Unterlagen anfordern: Baujahr, Renovationshistorie, frühere Schadstoffgutachten oder Sanierungsnachweise. Seriöse Verkäufer haben das parat; Ausweichen ist ein Signal.
- Besichtigung mit Schadstoff-Brille: Eternit-Platten, alte Vinylböden, Nachtspeicheröfen, muffiger Kellergeruch, Feuchtigkeitsränder — alles notieren und fotografieren.
- Bei Verdacht: Gutachten vor der Unterschrift. Eine professionelle Schadstoffermittlung kostet je nach Umfang etwa 500 bis 3000 Franken/Euro — beim grössten Kauf des Lebens eine kleine Versicherungsprämie. Einzelne Materialproben (Asbest, Holzschutzmittel) analysieren Labore schon ab 40–120 Franken/Euro.
- Ergebnisse in den Preis verhandeln: Ein dokumentierter Sanierungsbedarf ist das beste Argument für einen Abschlag — oder für den Rückzug, bevor es teuer wird.
- Radonmessung einplanen: Sie dauert Monate und passt selten vor die Unterschrift — aber als erste Amtshandlung nach dem Einzug gehört sie auf die Liste: Radon selbst messen.
Der häufigste Fehler
Der teuerste Fehler ist nicht der übersehene Schadstoff — es ist die Sanierung ohne vorherige Abklärung. Wer im Altbau «einfach mal die Wände rausreisst», verteilt Asbestfasern und PCB-Staub im ganzen Haus und verwandelt eine überschaubare Fachsanierung in einen Totalschaden. Erst prüfen, dann bauen.
Quellen
- BAG: Asbest — Informationsplattform Forum Asbest Schweiz
- Suva/BAG: Asbest-Checkliste für Hauseigentümer (PDF)
- Umweltbundesamt: Schimmelleitfaden