Uran und Radon im Trinkwasser: Wenn das Gestein mittrinkt

Wasser ist ein Lösungsmittel — und was es auf dem Weg durchs Gestein löst, hängt vom Untergrund ab. In Granit- und Gneisregionen können das auch Uran und das radioaktive Gas Radon sein. Beides ist komplett natürlich — und beides lohnt in bestimmten Situationen einen prüfenden Blick.
Uran: Chemie schlägt Physik
Beim Uran im Trinkwasser überrascht die Wissenschaft Laien regelmässig: Problematisch ist weniger seine (schwache) Radioaktivität, sondern seine chemische Giftigkeit für die Nieren — ähnlich wie bei anderen Schwermetallen. Die Grenz- und Leitwerte sind entsprechend chemisch begründet:
| Regelung | Wert |
|---|---|
| Deutschland (Trinkwasserverordnung) | 10 µg/l |
| WHO-Leitwert | 30 µg/l |
| Schweiz (Höchstwert) | 30 µg/l |
| Mineralwasser mit Label «geeignet für Säuglingsnahrung» (DE) | max. 2 µg/l |
Öffentliche Versorger halten diese Werte ein und müssen messen. Relevant wird Uran vor allem für private Brunnen in betroffenen Regionen — und für Eltern, die Säuglingsnahrung zubereiten: Babys sind die empfindlichste Gruppe, deshalb der strenge 2-µg/l-Massstab beim Mineralwasser.
Radon: aus dem Wasser in die Luft
Radonhaltiges Wasser ist vor allem ein Umweg in die Raumluft: Beim Duschen, Kochen und Waschen entweicht das Gas aus dem Wasser und addiert sich zur Radonbelastung, die ohnehin aus dem Boden ins Haus kommt. Getrunken ist Radon vergleichsweise unkritisch, eingeatmet bleibt es das Lungenkrebs-Thema Nummer eins unter den natürlichen Strahlenquellen.
Die EU setzt für Radon im Trinkwasser einen Parameterwert von 100 Becquerel pro Liter; öffentliche Versorger überwachen das. Nennenswerte Werte treten fast nur bei Brunnen- und Quellwasser in Granitgebieten auf — also dort, wo auch die Radonkarte rot ist.
Was heisst das praktisch?
- Am öffentlichen Netz: kein Handlungsbedarf. Die Werte werden überwacht, Überschreitungen sind selten und meldepflichtig.
- Eigener Brunnen in Granit-/Gneisregion: einmalig auf Uran und Radon testen lassen (Speziallabore bieten beides an, zusammen ab rund 60–150 Franken/Euro). Bei hohen Radonwerten hilft schon eine Belüftung des Wassers vor der Nutzung; bei Uran sind zertifizierte Aufbereitungen (Ionentauscher, Umkehrosmose) der Weg.
- Säugling im Haushalt mit Brunnenwasser: Uran-Test vor der ersten Flasche — oder auf geeignetes Flaschenwasser ausweichen.
Und die Einordnung zum Schluss: Die Strahlendosis übers Trinkwasser ist für fast alle Menschen ein Randthema — die Radon-Raumluft ist der Faktor, der zählt. Wer beides prüft, prüft in der richtigen Reihenfolge: erst die Luft, dann das Wasser.
Quellen
- BLV: Trinkwasser in der Schweiz — Qualität und Kontrolle
- BfS-Studie: Natürliche Radionuklide in Mineralwässern (via kurse.dirkschulze.ch)
- EU-Trinkwasserrichtlinie 2020/2184