Was ist Radon — und warum ist es in Wohnungen ein Problem?

Radon ist ein unsichtbares, geruchloses Gas, das beim natürlichen Zerfall von Uran im Boden entsteht. Es kommt überall vor — in manchen Regionen mehr, in anderen weniger. Im Freien verdünnt es sich sofort und ist harmlos. Problematisch wird es erst, wenn es sich in Gebäuden sammelt.
Wie kommt Radon ins Haus?
Radon steigt aus dem Untergrund auf und dringt durch undichte Stellen ins Gebäude ein: Risse in der Bodenplatte, Fugen, Rohr- und Kabeldurchführungen, Naturkeller ohne Betonboden. Weil warme Luft im Haus aufsteigt, entsteht ein leichter Unterdruck, der das Gas regelrecht aus dem Boden ansaugt — am stärksten im Winter, wenn geheizt wird und die Fenster geschlossen bleiben. Am höchsten sind die Werte deshalb meist in Keller und Erdgeschoss.
Warum ist Radon gefährlich?
Radon selbst wird grösstenteils wieder ausgeatmet. Seine kurzlebigen Zerfallsprodukte aber lagern sich an Staubteilchen an, bleiben in der Lunge hängen und bestrahlen dort das Gewebe. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. In der Schweiz macht Radon im Durchschnitt den grössten Einzelbeitrag zur jährlichen Strahlendosis der Bevölkerung aus — mehr als medizinische Untersuchungen und kosmische Strahlung.
Wichtig zum Einordnen: Es geht um ein Langzeitrisiko. Wer jahrzehntelang in Räumen mit hohen Radonwerten lebt, hat ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko — besonders in Kombination mit Rauchen. Ein einzelner Aufenthalt in einem Keller ist kein Grund zur Sorge.
Welche Werte gelten als zu hoch?
In der Schweiz gilt nach der Strahlenschutzverordnung ein Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) als Jahresmittel in Wohn- und Aufenthaltsräumen. Liegt dein Messwert darüber, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) Massnahmen. In Deutschland gilt derselbe Referenzwert von 300 Bq/m³.
Ob dein Wohnort in einem Risikogebiet liegt, zeigt die Radonkarte des BAG — erhöhte Werte sind vor allem in den Alpen und im Jura verbreitet, kommen aber grundsätzlich überall vor. Für Deutschland informiert das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).
Das Wichtigste zuerst: messen
Die Radonkonzentration lässt sich weder sehen noch riechen — und sie kann sich von Haus zu Haus in derselben Strasse stark unterscheiden. Die einzige Möglichkeit, Gewissheit zu bekommen, ist eine Messung. Wie das geht und was es kostet, erklären wir im Beitrag Radon selbst messen.
Quellen
- BAG: Radon — Gesundheitsrisiko, Referenzwert und Schutzmassnahmen
- WHO: Radon and health (Faktenblatt)
- BfS: Radon — Vorkommen, Wirkung, Schutz
- Strahlenschutzverordnung StSV, SR 814.501