Schimmel in der Wohnung: Ursachen finden statt nur wegwischen

Schimmel ist der häufigste Schadstoff-Fall in Wohnungen überhaupt — und der am häufigsten falsch behandelte. Wer nur die schwarzen Flecken wegputzt, bekämpft das Symptom. Schimmel wächst überall dort, wo Feuchtigkeit über längere Zeit ansteht. Ohne die Feuchtigkeitsursache zu finden, kommt er immer wieder.
Warum Schimmel ein Gesundheitsthema ist
Schimmelpilze geben Sporen und Stoffwechselprodukte an die Raumluft ab. Nach dem Leitfaden des deutschen Umweltbundesamts können sie Atemwegsreizungen, Allergien und Asthma begünstigen — besonders bei Kindern, Allergikern und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Panik ist trotzdem fehl am Platz: Entscheidend sind Ausmass und Dauer des Befalls, nicht der einzelne Fleck an der Duschfuge.
Die drei üblichen Verdächtigen
- Falsches Lüften und Heizen: Warme Luft speichert viel Wasser. Kühlt sie an kalten Wänden ab, kondensiert die Feuchtigkeit — ideale Wachstumsbedingungen. Klassiker: das kühle Schlafzimmer, dessen Tür zur warmen Wohnung offen steht.
- Wärmebrücken: Schlecht gedämmte Ecken, Fensterlaibungen und Rollladenkästen sind kälter als der Rest der Wand — dort schlägt sich Feuchtigkeit zuerst nieder.
- Bauschäden: Undichte Dächer, defekte Leitungen, aufsteigende Feuchte im Mauerwerk. Hier hilft kein Lüften — hier muss saniert werden.
Selbst machen oder Profi rufen?
- Kleine Flächen (unter etwa einem halben Quadratmeter) auf glatten Oberflächen kannst du selbst behandeln: mit 70–80-prozentigem Alkohol aus der Apotheke, Handschuhen und gut gelüftetem Raum. Von chlorhaltigen «Schimmelsprays» in Wohnräumen raten Fachleute eher ab.
- Grössere oder wiederkehrende Befälle, Schimmel hinter Möbeln, in Teppichen oder nach Wasserschäden gehören in Profihände — samt Ursachenanalyse. Anhaltspunkt: Eine Schimmeluntersuchung mit schriftlicher Bewertung kostet um die 500 Franken/Euro.
- Mieterinnen und Mieter sollten Befall dokumentieren (Fotos, Datum) und der Verwaltung melden — die Ursachenklärung ist Sache der Eigentümerschaft.
Vorbeugen in einem Satz
Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent halten: zwei- bis viermal täglich stosslüften (Fenster weit auf, 5–10 Minuten), alle Räume mässig heizen, Türen zu kühlen Räumen geschlossen halten, Möbel ein paar Zentimeter von Aussenwänden abrücken — und die Werte mit einem Hygrometer im Blick behalten.
Quellen
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall
- WHO: Guidelines for indoor air quality — dampness and mould (EN)