Unsichtbare RisikenMessen statt fürchten

Blei im Trinkwasser: Das Altbau-Risiko, das Europa jetzt abschafft

Veröffentlicht am 13. September 2026

Foto: Elimende Inagella / Unsplash
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Was die USA mit dem Skandal von Flint schmerzhaft gelernt haben, gilt im Kleinen auch bei uns: Das Wasser des Versorgers kann einwandfrei sein — und trotzdem auf den letzten Metern im Haus Blei aufnehmen. Die Quelle sind alte Bleirohre und bleihaltige Armaturen in Gebäuden, die bis etwa Mitte der 1970er-Jahre gebaut und nie saniert wurden.

Warum Blei so ernst genommen wird

Blei reichert sich im Körper an und schädigt schon in kleinen Mengen die Blutbildung und die Entwicklung des Nervensystems. Am empfindlichsten sind Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder — das Umweltbundesamt rät deshalb, für Schwangere und kleine Kinder Wasser aus Bleileitungen gar nicht zu verwenden. Für Erwachsene ist das Risiko geringer, aber eine Dauerbelastung bleibt unnötig.

Die Rechtslage zieht an

Die EU-Trinkwasserrichtlinie 2020/2184 halbiert den Blei-Grenzwert von 10 auf 5 Mikrogramm pro Liter (spätestens 2036 am Hahn jedes Haushalts). Deutschland geht schneller vor: Nach der Trinkwasserverordnung müssen verbliebene Bleileitungen bis Anfang 2026 ausgetauscht sein, der strengere Grenzwert greift ab 2028. Auch in der Schweiz gilt: Bleileitungen entsprechen nicht mehr den Anforderungen an einwandfreies Trinkwasser. Kurz: Bleirohre sind ein Auslaufmodell — aber sie hängen noch in vielen Altbauten.

Bleirohre erkennen

Was sofort hilft — und was wirklich

Sofortmassnahme: Morgens und nach längerer Abwesenheit das Wasser laufen lassen, bis es merklich kühl aus der Leitung kommt (meist 30 Sekunden bis 2 Minuten). Stagnationswasser nicht für Kaffee, Babynahrung oder zum Trinken verwenden. Für Säuglingsnahrung bei bekannten Bleileitungen auf geeignetes Flaschenwasser ausweichen.

Echte Lösung: Der Austausch der Leitungen. Mieterinnen und Mieter haben gute Karten: Sie können den Vermieter auf die Austauschpflicht und die Grenzwerte verweisen — ein dokumentierter Messwert über dem Grenzwert ist dabei das stärkste Argument.

Quellen

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